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GURS 1940 – Die Deportation und Ermordung von südwestdeutschen Jüdinnen und Juden Meldung vom 08. März 2022

In der Nacht vom 22. auf den 23. Oktober 1940 wurden mehr als 6500 Personen aus Südwestdeutschland ins französische Lager Gurs deportiert. Die sogenannte „Wagner-Bürckel-Aktion“ richtete sich systematisch gegen jene Menschen, die nach den nationalsozialistischen Rassegesetzen als jüdisch galten. Auch aus Freiburg brachten Deportationszüge rund 379 Männer, Frauen und Kinder ins Lager Gurs am Fuße der Pyrenäen. Einigen von ihnen gelang die Flucht, insbesondere viele Kinder konnten gerettet werden. Viele starben jedoch infolge der katastrophalen Bedingungen noch in den französischen Lagern. Die meisten der internierten Menschen wurden ab 1942 in den Konzentrationslagern Auschwitz-Birkenau und Sobibor ermordet. Nur wenige der Deportierten kehrten 1945 nach Deutschland und nach Freiburg zurück. Die Ausstellung „Gurs 1940“ der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz erinnert an die Deportation im Oktober 1940 und nimmt den politischen und gesellschaftlichen Umgang mit diesem Verbrechen aus verschiedenen Perspektiven in den Blick. Nicht unerwähnt bleiben soll an dieser Stelle, dass das Konzept der Kernausstellung nicht ohne Kritik geblieben ist. So bemängeln u.a. Brigitte und Gerhard Brändle, die erst kürzlich für die Israelitische Religionsgemeinschaft Baden zu diesem Thema publiziert haben, vor allem zwei Schwachstellen im Ausstellungsnarrativ: Die Verantwortung der Vichy-Regierung beim späteren Transport von Gurs in Richtung Auschwitz über das Sammel- und Durchgangslager Drancy würde zu ausschließlich dargestellt und dabei vernachlässigt, dass vor allem der deutsche Botschafter in Paris sowie die Wehrmacht bei den Deportationen und den späteren Transporten in die Vernichtungslager Schlüsselrollen gespielt haben. Noch schwerer wiege der pauschale Fokus auf die Schicksale der Ermordeten zum Nachteil der Geschichten der Geretteten und ihrer Retter_innen, die zum Teil enorme persönliche Risiken auf sich nahmen, um Menschen zur Flucht zu verhelfen. Die Ausstellung erwecke den Eindruck, gerade die deportierten Kinder seien zum Großteil umgekommen, obwohl dies nachweislich nicht der Fall gewesen sei – die Geschichte vieler Rettungen sei vielmehr gut dokumentiert, nicht zuletzt durch die Ehrungen der Retter_innen durch das zentrale Holocaust-Forschungszentrum Yad Vashem in Jerusalem.   Durch die Beiträge vieler Kooperationspartner_innen in der Rubrik „Vor Ort“ entwickelt sich die Hauptausstellung „Gurs 190“ aktuell beständig weiter. Dazu leistet nun auch das Dokumentationszentrum Nationalsozialismus Freiburg einen eigenen Beitrag: Hier finden Sie ergänzend zur Ausstellung „Gurs 1940“ weitere digitale Ausstellungstexte, die die Geschichte der Deportation ins Lager Gurs aus einer Freiburger Perspektive erzählen. Die freiburgspezifischen Beiträge beleuchten die Ereignisse des 22./23. Oktobers 1940 vor Ort sowie die Lebenswege von Menschen, die an diesem Tag ins Lager Gurs deportiert wurden. Fragen des Gedenkens an die Deportation nach 1945 schaffen zudem Bezüge bis in die Gegenwart und zu jüdischem Leben in Freiburg heute. In analoger Form wird die Ausstellung „Gurs 1940“ zudem im Blauen Haus in Breisach gezeigt. Dort finden Sie zusätzliche Beiträge zu den Ereignissen der Deportation in Breisach.
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