Das Haus

Im 1936 erbauten, ehemaligen Verkehrsamt am Rotteckring entsteht voraussichtlich bis März 2025:

  • ein Ort der Information über die Zeit des Nationalsozialismus in Freiburg (mit einer Dauerausstellung sowie wechselnden Sonderausstellungen)
  • eine Anlaufstelle für Dokumentation und Forschung über die Zeit des Nationalsozialismus in Freiburg (u. a. Übernahme des Nachlasses von Gertrud Luckner sowie Teile der Gertrud-Luckner-Bibliothek, Kooperationen mit Universitäten, Archiven sowie Einrichtungen und Initiativen in Südbaden und darüber hinaus)
  • ein zentraler Ort der Erinnerung an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft (öffentlich zugänglicher Gedenkraum im überdachten Innenhof des Hauses und Möglichkeit des stillen Gedenkens)
  • ein Bildungs- und Diskussionsraum, mit Fokus auf die Themen Demokratie und die Diversität (Workshops, Podiumsdiskussionen, Lesungen, z.B. im "HistoryLab", dem Geschichtslabor für Jugendliche und junge Erwachsene, digitale Vertiefungsangebote)

Auch wenn das Dokumentationszentrum seine Türen erst im Jahr 2025 für Besucher_innen öffnet, nimmt die inhaltliche Arbeit schon jetzt Gestalt an.

Für die Jahre 2021 bis 2025 sind bereits geplant:

  • Konzeption und Realisierung von Zeitzeugeninterviews in Kooperation mit dem SWR-Studio Freiburg
  • Workshops, Diskussions- und Vortragsveranstaltungen, z.B. in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung
  • Konzeptionsworkshops mit Freiburger Schulen zum Thema "Erinnerungskultur 4.0"
  • Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Institutionen aus Freiburg und Südbaden

Falls Sie Interesse an einer Zusammenarbeit haben oder mit uns in den Austausch treten möchten, freuen wir uns über Ihre Nachricht:dzns@stadt.freiburg.de

Außenansicht Verkehrsamt (Foto: Stadtarchiv M 7040-13)

Was ist konkret geplant?

Auf rund 800 Quadratmetern wird erstmals eine Einrichtung geschaffen, die sich explizit mit der Geschichte Freiburgs im Nationalsozialismus befasst. Die Dauerausstellung wird über drei Stockwerke die Zeit von der Weimarer Republik bis in die Gegenwart im Jahr 2024 beleuchten. Ein multiperspektivischer Zugang zu dieser Geschichte bildet die Basis der Ausstellungserzählung.

Dabei geht es über einfache Schwarz-Weiß-Dichotomien hinaus. Nicht nur die Geschichte der "Täter" auf der einen und der "Opfer" auf der anderen Seite soll hier erzählt werden. Interessant sind die Grautöne: Warum hat sich ein Mensch, der die SS unterstützt hat, für die Rettung von Jüdinnen und Juden eingesetzt? Warum hat ein Mensch, der mit einer jüdischen Familie befreundet war, sich später an ihrem Besitz bereichert? Wie kam es dazu, dass ein Mensch, der die nationalsozialistische Ideologie unterstützt und gelebt hat, nach 1945 wieder erfolgreich in der Stadtverwaltung tätig sein konnte?

Es gilt dabei, kontinuierlich neue Fragen aufzuwerfen und diese zu diskutieren, sich mit neuen Forschungserkenntnissen auseinanderzusetzen und zu fragen: Was haben diese mit unserer Gegenwart heute zu tun?

Das Dokumentationszentrum soll ein Haus sein, das Dialog, Kooperation und Auseinandersetzung ermöglicht – ohne erhobenen Zeigefinger, aber mit einer klaren Haltung: dem Bekenntnis zu unserer demokratischen Gesellschaft, in der Diskriminierung, Ausgrenzung und Abwertung keinen Platz haben.

Neben dem Dokumentationszentrum soll 2024 auch die Landeszentrale für politische Bildung in das Haus am Rotteckring 14 einziehen. Die unmittelbare Nachbarschaft sowie zahlreiche thematische Schnittmengen bieten beiden Institutionen eine gute Basis für Austausch, Zusammenarbeit und gemeinsame Veranstaltungen im Herzen von Freiburg.

Die Skizzen der Innenansichten bilden den aktuellen Planungsstand (April 2021) ab und können sich im weiteren Verlauf verändern und ausdifferenzieren. Die Skizzen der Ausstellungsräume wurden vom Gestaltungsbüro gewerkdesign angefertigt, die Skizze des Gedenkraums von mArtin Architekten Freiburg in Zusammenarbeit mit gewerkdesign.

3D-Modell von oben
3D-Modell Tresen
3D-Modell Eingang
3D-Modell Gedenkraum

Am Beispiel des Ausstellungsclusters 2, in dem es um die Ein- und Ausschlussmechanismen der nationalsozialistischen Diktatur gehen wird, sehen Sie hier (4,458 MB) den siegreichen Wettbewerbsentwurf des Gestalterbüros gewerkdesign. Anhand des nachempfundenen Straßenzugs der Kaiser-Joseph-Straße werden unterschiedliche Schicksale, Biografien und historischen Begebenheiten im Untergeschoss des Hauses erzählt.

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Die Dauerausstellung setzt sich mit den Strukturen und der Ideologie des Nationalsozialismus auseinander, aber auch mit der Freiburger Gesellschaft, die diesen in weiten Teilen getragen hat. Warum konnten sich immer mehr Menschen für den Nationalsozialismus begeistern oder haben ihn zumindest nicht in Frage gestellt?

In einem zentralen Cluster der Ausstellung sowie im Gedenkraum des Hauses werden die Menschen im Mittelpunkt stehen, die das System ausgeschlossen hat, die diskriminiert, verfolgt, vertrieben und ermordet wurden. Sie waren Freiburger_innen, die ihren Berufen nachgegangen sind, angesehene Bürgerinnen und Bürger der Stadt, deren Familien hier verwurzelt waren. Sie haben Freiburg geprägt und durch ihre kulturellen, gesellschaftlichen und religiösen Identitäten bereichert. Sie hinterlassen bis heute eine Lücke, die nie geschlossen werden kann.

Gab es Widerstand in Freiburg? Wenn ja, wie sah dieser aus? Was konnte jede und jeder Einzelne innerhalb des Systems tun, um sich für verfolgte Mitmenschen einzusetzen? Und warum haben die allermeisten doch weggesehen?

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Die Gewalt des Nationalsozialismus wirkte nicht nur nach innen, sondern auch nach außen. Der Angriffskrieg wurde von Anfang an mitgedacht und vorbereitet. Wie der "Alltag des Krieges" in Freiburg wahrgenommen und welche traumatische Wirkung vor allem die Bombardierung der Stadt am 27. November 1944 bei vielen hinterlassen hat, wird in der Ausstellung thematisiert.

Das Kriegsende, der Wiederaufbau der Stadt sowie der Aufbau demokratischer Strukturen durch die Alliierten stehen der langen Verdrängung und Leugnung der eigenen Vergangenheit gegenüber. Auch Freiburg hat sich schwer getan mit der Etablierung einer Erinnerungskultur an die Zeit des Nationalsozialismus. Sie musste vielmehr von den Hinterbliebenen der Ermordeten sowie engagierten zivilgesellschaftlichen Organisationen selbst immer wieder eingefordert werden. Die Geschichte der verdrängten Aufarbeitung, die bis in die Gegenwart reicht, wird Teil des letzten Ausstellungsclusters sein.

Die Einrichtung eines Dokumentations- und Informationszentrums in Freiburg wird seit vielen Jahren u. a. von der Initiative "Freiburg braucht eine Mahn- und Gedenkstätte" gefordert. Dem zivilgesellschaftlichen Engagement von Freiburger Bürger_innen wie Marlis Meckel ist es zu verdanken, dass diese Idee in der Vergangenheit kontinuierlich auf den Tisch gebracht wurde. Der Weg bis zu einer Realisierung dieser Idee war nicht einfach. Eine Einrichtung durch die Stadt wurde zunächst immer wieder verschoben, u. a. aus Kostengründen. Auf dem Weg zur Umsetzung gab es schließlich zwei wichtige Impulse:

Im Augustinermuseum konnte im Jahr 2016 erstmals eine Sonderausstellung zum Thema "Nationalsozialismus in Freiburg" gezeigt werden. Die Arbeiten an dieser Ausstellung machten deutlich, wie viele Leerstellen es zum Thema Nationalsozialismus in Freiburg noch gibt und gleichzeitig, wie groß das öffentliche Interesse daran ist. Insgesamt besuchten die Ausstellung, die von 26. November 2016 bis 7. Oktober 2017 gezeigt wurde, über 80.000 Personen. Die Idee für ein Informations- und Dokumentationszentrum sollte daraufhin endlich konkret werden.

Fast parallel dazu wurden bei Umbaumaßnahmen auf dem Platz der Alten Synagoge im Jahr 2016 Fundamentsteine der Alten Synagoge gefunden. Um würdig an die Geschichte der Freiburger Synagoge erinnern zu können, sollten diese dauerhaft in einen an das Dokumentationszentrums angegliederten Gedenkraum integriert werden. Die aufgefundenen Synagogensteine machten den Aufbau eines Dokumentationszentrums noch notwendiger. 

Am 24. Juni 2018 fasste der Gemeinderat schließlich einstimmig den Grundsatzbeschluss zur Einrichtung eines Dokumentationszentrums zum Nationalsozialismus in Freiburg, dessen Umsetzung nun erfolgt.


Umbau

Der Umbau des ehemaligen Verkehrsamts am Rotteckring hat Mitte des Jahres 2022 begonnen.

Schon jetzt laufen die Vorbereitungen zwischen städtischer Verwaltung, dem Architekturbüro mArtin Architekten sowie den Gestalter_innen von gewerkdesign auf Hochtouren. Denn: Es gibt noch viel zu tun! So muss zum Beispiel der Innenhof des Gebäudes überdacht werden – er wird zum späteren Ort des Gedenkens.

Links finden Sie einen Videorundgang durch das Erd- und Untergeschoss des künftigen Dokumentationszentrums.