Deutsch-Französische Sonderausstellung

GURS 1940 – Die Deportation und Ermordung von südwestdeutschen Jüdinnen und Juden

 Foto: Ankunft von 400 Jüdinnen aus dem Lager Noé im Internierungslager Gurs, 4.3.1941. Foto von Maurice Laügt, 4.3.1941, Mémorial de la Shoah, Coll. Maurice Laügt, Eva Laügt, MLXV_181

In Kooperation mit dem Haus der Wannseekonferenz in Berlin zeigt das Dokumentationszentrum Nationalsozialismus in Freiburg voraussichtlich noch im Herbst diesen Jahres seine erste Sonderausstellung. Thema wird die Deportation von rund 6.500 Jüdinnen und Juden sein, die im Oktober 1940 aus Orten in Baden, der Pfalz und dem Saarland ins südfranzösische Gurs deportiert wurden – so auch aus Freiburg.

Die vom Haus der Wannseekonferenz erarbeitete Kernausstellung erzählt auf 28 Tafeln in deutscher und französischer Sprache die Geschichte der Deportationen, die Reaktionen in der Bevölkerung sowie das Leben der Deportierten unter unmenschlichen Umständen im Lager Gurs. Dabei wird auf Berichte, Fotos und Zeichnungen der Lagerinsassen zurückgegriffen. Auch die Kollaboration der Vichy-Regierung mit den Nationalsozialisten und die Erinnerungskultur um Gurs werden thematisiert.

Zusätzlich erarbeitet das Dokumentationszentrum Nationalsozialismus Ausstellungsbausteine, anhand derer spezifisch die Geschichte der Freiburger nach Gurs deportierten Jüdinnen und Juden beleuchtet werden soll. Das Dokumentationszentrum plant in Zusammenarbeit mit dem Haus der Wannseekonferenz zudem eine digitale Version der Ausstellung in Leichter Sprache.

Nicht unerwähnt bleiben soll, dass das Konzept der Kernausstellung bereits vor Eröffnung nicht ohne Kritik geblieben ist. So bemängeln insbesondere Brigitte und Gerhard Brändle, die erst im vergangenen Jahr für die Israelitische Religionsgemeinschaft Baden zu diesem Thema publiziert haben (1), vor allem zwei Mängel im Ausstellungsnarrativ: Die Verantwortung der Vichy-Regierung beim späteren Transport von Gurs in Richtung Auschwitz über das Sammel- und Durchgangslager Drancy würde zu ausschließlich dargestellt und dabei vernachlässigt, dass vor allem der deutsche Botschafter in Paris sowie die Wehrmacht bei den Deportationen und den späteren Transporten in die Vernichtungslager Schlüsselrollen gespielt haben. Noch schwerer wiege der pauschale Fokus auf die Schicksale der Ermordeten zum Nachteil der Geschichten der Geretteten und ihrer Retter_innen, die zum Teil enorme persönliche Risiken auf sich nahmen, um Menschen zur Flucht zu verhelfen. Die Ausstellung erwecke den Eindruck, gerade die deportierten Kinder seien zum Großteil umgekommen, obwohl dies nachweislich nicht der Fall gewesen sei – die Geschichte vieler Rettungen sei vielmehr gut dokumentiert, nicht zuletzt durch die Ehrungen der Retter durch das zentrale Holocaust-Forschungszentrum Yad Vashem in Jerusalem. Diesen Kritikpunkten soll in der Freiburger Version der Ausstellung zusätzlich Rechnung getragen werden.

Die Ausstellung ist noch bis zum 21. April in der Französischen Botschaft in Berlin zu sehen und wird ab dem 8. April nach und nach an vielen Orten in Südwestdeutschland und Frankreich eröffnet werden.

Weitere Informationen zur Ausstellung unter www.gurs1940.de.
Zu Pressemitteilung und Ausstellungskatalog

[1] Brändle, Brigitte, Brändle, Gerhard: Gerettete und ihre Retterinnen. Jüdische Kinder im Lager Gurs: Fluchthilfe tut not – eine notwendige Erinnerung, Karlsruhe 2020.

(Erstellt am 07. April 2021)